Michael Maria Rosen

© M.M.Rosen

Elbmündung

- Die Elbe bei St. Margarethen, August 2002 vor der Flutkatastrophe -
...wenn die Erde weint wird ihr sonst so segensreicher Regen zu ihren Tränen...


Es war kein Traum, als sie voller Liebe sprach, unsere Mutter, die Erde:


"Mein Kind, ich kann die Tränen nicht mehr zurückhalten.

So gross sind meine Schmerzen. Lange tat ich es, damit Du, Mensch,
nicht leiden musst! So sehr liebe ich Dich!

Nun müssen sie fliessen, um den Quell Deiner Liebesfähigkeit freizuspülen.

Die Schmerzen, die Du fühlst, sind meine.

Durch meine Tränen leidest Du! Durch meine Tränen weinst auch Du!

Weisst Du denn nicht, wie eng wir verbunden sind! Dass ich Euer Aller Mutter
bin, Ihr meine Kinder seid? Weisst Du denn nicht, dass das, was Du mir
antust, Du Dir selbst antust? Ich bin Du, hast Du denn dies vergessen?

Wie geliebt bist Du! Möchtest Du mich nicht auch ein wenig lieben!?

Ist es nicht schöner, mich mit Deiner Liebe zu schützen,
als aus Deiner Not und Deiner Angst vor dem Leiden?

Weisst Du denn nicht, dass Leiden immer dort entsteht, wo die Liebe
nicht mehr fliesst? Wo Geld und Macht die Ziele sind?

Meine Flüsse spiegeln freies Fliessen wieder.
Kostbares Wasser schenken sie Dir.

Sie zeigen Dir, wie Anfang und Ende zugleich sein können.
Sie sind wie die Liebe Leben, wie das Leben Liebe ist!

Liebst Du mich, heilst Du Dich, heilst Du Mich, liebst Du Dich!

Beginnst Du dies zu leben, steigst Du aus dem Kreis des Leidens,
erkennst seinen Schein und trittst ein in die Spirale der Liebe. Bewusst.

Keine gewaltsamen Begradigungen mehr. Ohne Einnahme von Raum,
der Dir nicht gehört. Windung für Windung steigst Du auf in die Liebe.

Immer mehr Liebe, grenzenlos, ohne Ende! Ist dies nicht bitten wert?”

 


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